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Wir trauern um Wolfgang Weingart

┬źIn seiner Vorgehensweise hat Wolfgang Weingart die rasch fortschreitende technische Entwicklung klug mit der k├╝nstlerischen Erziehung verbunden und dadurch eine neue Unterrichtsmethode begr├╝ndet. Damit, wie auch durch sein eigenes Schaffen, hat Wolfgang Weingart die moderne Typographie wesentlich gepr├Ągt.┬╗

Armin Hofmann am 18. Juli 2008

 

Gestalter, Lehrer, Wegbereiter

Wolfgang Weingart ist am 6. Februar 1941 in Salem, Baden-W├╝rttemberg, auf die Welt gekommen. Im Salemertal verbrachte er die ersten 13 Jahre seines Lebens. Danach zog seine Familie nach Lissabon, dort besuchte er die Deutsche Schule, dort erwachte sein Interesse f├╝r Kunst und Kultur. Anfang der 1960er Jahre erlernte er in der Druckerei Ruwe in Stuttgart den Beruf des Schriftsetzers.

Weil er an der Kunstgewerbeschule (der heutigen Schule f├╝r Gestaltung) studieren wollte, reiste Weingart 1963 nach Basel. Er sprach bei Armin Hofmann vor und konnte ihm seine Arbeiten zeigen. Hofmann stellte ihn Emil Ruder vor. Beide Lehrer zeigten sich beeindruckt. Weingart konnte 1964 das Studium aufnehmen. 

In Basel entwickelte er sich zu einem hochkreativen typografischen Gestalter. Eigenwillig beschritt er neue Wege zwischen Buchdruck und fotomechanischen Druckverfahren. Aus Bleisatzelementen, Fotografien, Linolschnitten, Rastern, Handschriften und Zeichen schuf er typografische Landschaften, die gesehen und erst auf den zweiten Blick gelesen werden sollten.
 

In aller Welt

1968 begann er mit seiner Lehrt├Ątigkeit, die er 36 Jahre lang aus├╝bte ÔÇô bis zur Jahrtausendwende an der Kunstgewerbeschule/Schule f├╝r Gestaltung Basel. Von 2002 bis 2004 amtete er als Professor an der Hochschule f├╝r Gestaltung und Kunst FHNW. Wolfgang Weingart schuf ein bahnbrechendes k├╝nstlerisches Gesamtwerk. Seine Lehre und sein eigenes Schaffen waren untrennbar miteinander verkn├╝pft. Sein Werk wurde f├╝r Generationen von Gestalterinnen und Gestaltern zum Augen├Âffner, seine Worte waren nahrhafte Denkanst├Âsse, seine Arbeits- und Unterrichtsmethoden k├Ânnen mit Fug und Recht als revolution├Ąr bezeichnet werden. In der Schweizer Typografie, Grafik, Gestaltung sowie deren Vermittlung hat er m├Ąchtige, zukunftsweisende Spuren hinterlassen. Mit Seminaren und Vortr├Ągen war er an Universit├Ąten und Hochschulen in aller Welt zu Gast.
 

Einige biografische Schlaglichter

  • 1984 unterst├╝tzte Steve Jobs Weingarts typografische Forschung und schenkte ihm den ersten 128K Macintosh Computer.
  • 1990 widmete das Institut f├╝r Neue Technische Form Darmstadt seiner Arbeit die erste umfassende Werkschau.
  • 2000 erschien Weingarts Autobiografie und Werk├╝bersicht ┬źWege zur Typographie┬╗
    (520 Seiten, Lars M├╝ller Publishers).
  • 2005 erhielt er die Ehrendoktorw├╝rde des Massachusetts College of Art, Boston.
  • 2013 wurde ihm die ┬źAIGA Medal┬╗ des American Institute of Graphic Arts verliehen.
  • 2014 konnte er den ┬źSchweizer Grand Prix Design┬╗ des Eidgen├Âssischen Departements des Innern, Bundesamt f├╝r Kultur entgegennehmen.
  • Im gleichen Jahr zeigte das Museum f├╝r Gestaltung Z├╝rich die erste Retrospektive seiner Arbeit in der Schweiz.

 

┬źManchmal sehe ich ihn durch die Drahtglast├╝r im ersten Stock, wie er im Flur vor seiner Typowerkstatt an der Auslegeordnung eines Studenten entlang schreitet und mit kleinen farbigen Zettelchen, die er auf den Entw├╝rfen deponiert, seine Pr├Ąferenzen markiert. Oder ich sitze unten auf dem Hof, auf der Steinbank neben dem Eingang der Kantine und wir winken uns zu, wenn er oben im ersten Stock vom Flurfenster aus wie der Kapit├Ąn auf der Br├╝cke seines Schiffes zu mir hinuntersieht.┬╗

Peter Olpe im Jahr 2004

 

Am 12. Juli 2021 ist Wolfgang Weingart gestorben. Traurig verabschieden wir uns von einem Kollegen und Freund. Einem grossen Gestalter, Lehrer, Wegbereiter.
 

Schule f├╝r Gestaltung Basel

Ursula Gysin, Direktorin