Bibliothek für Gestaltung Basel

Schlaglichter

Sammlungsschwerpunkt «Neues Bauen»

Innerhalb des Schwerpunkts Architektur und Städtebau verfügt die Bibliothek für Gestaltung über eine erlesene Auswahl an Originalpublikationen aus der Zeit des Neuen Bauens. Bücher dieser Zeit sind rar, zumal sie im Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg stark dezimiert wurden.

Der Bestand offenbart ein Nebeneinander von progressiven, konservativen und moderaten Tendenzen, die sich nicht nur auf den europäischen Raum beschränken, sondern auch direkte Vergleiche mit japanischer oder amerikanischer Architektur und Neuem Bauen zulassen. Wir erhalten einen breiten Einblick in konträre Strömungen zu einer Zeit, als sich die Moderne gegenüber hartnäckigen Historismen und Traditionalismen behaupten musste.

Die Bücher aus den 1920er und 1930er Jahren ermöglichen eine authentische Übersicht zu Architektur und Städtebau des Neuen Bauens. Über Theorien und städtebauliche Innovationen der Koryphäen hinaus erfahren wir viel über die konkrete Innenausstattung der Gebäude — sei es im Design von Türklinken, Schirmständern, Steckdosen oder Zigarrenablagen. Greifbar wird dies in Grundrissplänen, Ausstellungs- oder Produktkatalogen.

Die neuen Gebäudetypen des 20. Jahrhunderts, beispielsweise die Architekturen der Vergnügung wie Kinos oder Kaufhäuser, leben in zeitgenössischen Vorlagenpublikationen wieder auf. Hier zeigt sich zudem der neuartige Verbund von Fotografie und Architektur. Etliche Publikationen enthalten Fotografien von hoher Qualität, welche diese Blütezeit der modernen Architektur anschaulich dokumentieren. In Erich Mendelsohns aufwendiger Monographie Amerika — Bilderbuch eines Architekten (1926) aus dem Mosse-Verlag stammen die Fotografien gar vom Autor persönlich.

Aus der Vielzahl der Originalausgaben seien nur ein paar genannt, um Appetit auf mehr zu machen. Manche Titel verleiten bereits zum Schmunzeln, bevor sich das Innenleben des Buches offenbart: So provoziert Otto Völckers Wohnbaufibel von 1932 scherzhaft mit dem Zusatz Für Anfänger und solche, die glauben es nicht mehr zu sein — sozusagen Neues Bauen für alte Hasen.

Namhafte internationale Architekten der Epoche sind mit teilweise einflussreichen Monografien vertreten. Hier ist besonders Le Corbusier zu erwähnen, der 1927 zusammen mit seinem Vetter und Kollegen Pierre Jeanneret die Fünf Punkte zu einer neuen Architektur proklamiert. Kaum ein Jahr später zeichnet Bruno Taut die Entwicklung des Neuen Wohnbaus im deutschsprachigen Raum nach. Prominenz erlangte auch die Schriftenreihe der Bauhausbücher (1925–29), herausgegeben von Walter Gropius und László Moholy-Nagy, in der sich die Bauhäusler zu ihrem Schaffen und den Kunsttheorien ihrer Zeit äussern. Auch die originalen Ausstellungskataloge zur ersten modernen Mustersiedlung in Stuttgart (1927) oder der späteren Werkbundsiedlung in Wien (1932) gehören zum Bestand und werden ergänzt durch einflussreiche Zeitschriften wie Das neue Frankfurt (1926–31) oder ABC − Beiträge zum Bauen (1924–28). Die Amsterdamer Zeitschrift der gleichnamigen Architektengruppe De 8 en opbouw (1932–43) zum nieuwe bouwen ist als Reprint ausleihbar.

Besonders bemerkenswert sind auch Typografie und Layout der Bücher, deren formale Courage in ihrer Zeit verankert ist und die Intention ihrer Verfasser verrät: Die Leser für die Avantgarde des Neuen Bauens zu gewinnen. Die Buchgrafik greift das Corporate Design ihrer Protagonisten auf, dessen Modernität selbst Augen des frühen 21. Jahrhunderts staunen lässt.

Auch diese raren Bestände sind bereits vollständig digital katalogisiert. Die Benutzer werden jedoch um besonderes Verständnis für die eingeschränkten Ausleihoptionen gebeten, die helfen sollen, den Bestand dieser Zeit langfristig erhalten zu können. Sie können die Exemplare im Lesesaal sichten oder zum Teil auch als Reprints von hoher Qualität ausleihen.

Defekte Exemplare gelangen rechtzeitig in fachkundige Hände, um ihren Originalzustand zu bewahren. Denn den Mitarbeiterinnen der Bibliothek für Gestaltung ist es eine Herzensangelegenheit, für den zukünftigen Erhalt der internationalen Originalausgaben aus der Zeit des Neuen Bauens — und nicht nur für diese — grösste Sorge zu tragen.


Sammlungsschwerpunkt «Neues Sehen»

Die Augen, noch im Gewohnten befangen, müssen umlernen. Und sie werden es. Schneller vielleicht, als mancher glaubt. Denn die Tatsachen wollen es und das Leben selbst. 
(Hans Hildebrandt 1927)

Innerhalb des Schwerpunkts Visuelle Kommunikation und Fotografie kann die Bibliothek für Gestaltung bemerkenswerte Publikationen aus den 1920er und 1930er Jahren vorweisen. Originalausgaben aus der Zeit des Neuen Sehens und der Neuen Sachlichkeit sind heute selten, nicht zuletzt weil sie im Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg stark dezimiert wurden.

Es kommt der neue Fotograf! Werner Gräffs Publikation von 1929 drückt unmissverständlich aus, welch immenser Wandel sich im noch jungen Medium der Fotografie vollzieht. Die radikale Erneuerung der Wahrnehmung bricht mit den vertrauten Sichtweisen der Zeitgenossen. Noch im 21. Jahrhundert bleibt die Modernität ihrer Werke in Büchern aus dieser Zeit nachvollziehbar. Der experimentelle Charakter der Fotografie wird spürbar.

Zugleich veranschaulicht der Bestand die Internationalität des Neuen Sehens und ruft Avantgarde-Künstler wie zum Beispiel László Moholy- Nagy oder El Lissitzky in Erinnerung, die mit Monographien vertreten sind. Eine kleine Auswahl an bemerkenswerten Publikationen beschäftigt sich mit dem noch jungen Medium Film. Die Zeitschriften Photographie (1930–47/Reprint) oder Das deutsche Lichtbild (1927–38) ergänzen den Bestand.

Bücher zum Thema Typografie greifen mitunter ihre eigene Buchgrafik auf: Inhalt und Form verbünden sich zur gemeinsamen Eroberung des Lesers.

Auch diese raren Bestände sind bereits vollständig digital katalogisiert. Die Benutzer werden jedoch um besonderes Verständnis für die eingeschränkten Ausleihoptionen gebeten, die helfen sollen, den Bestand dieser Zeit langfristig erhalten zu können. Sie können die Exemplare im Lesesaal sichten oder zum Teil auch als Reprints ausleihen.

Defekte Exemplare gelangen rechtzeitig in fachkundige Hände, um ihren Originalzustand zu bewahren. Denn den Mitarbeiterinnen der Bibliothek für Gestaltung ist es eine Herzensangelegenheit, für den zukünftigen Erhalt der internationalen Originalausgaben aus der Zeit des Neuen Sehens — und nicht nur für diese — grösste Sorge zu tragen.

Bibliothek für Gestaltung Basel
Spalenvorstadt 2
4051 Basel

Leitung:
Andrea Schweiger
andrea.schweigersfgbasel.ch
T +41 61 267 45 00